Am heutigen Spieltag findet nun der Action Day gegen Homophobie statt. (Vielleicht wundert Ihr Euch, warum und deshalb versuchen wir euch ein wenig zu informieren). Je nach Ausprägung reicht Homophobie von Vorurteilen über ausgeprägte Abneigung und Befürwortung von Diskriminierung oder staatlichen Repressionen gegen Homosexuelle bis hin zu äußerstem Hass und körperlicher Gewalt gegen Homosexuelle. Auch in Deutschland trugen Heterosexismus und Homophobie durch den „§175“ lange zur Homosexuellenverfolgung bei. Dieser Paragraph existierte bis zum 11.06.1994(!) und stellte sexuelle Handlungen zwischen männlichen Personen unter Strafe. Heute sind homosexuelle Handlungen in Deutschland straffrei, was aber nicht heißt, dass es kein homophobes Verhalten gibt. Unter Gläubigen gilt bspw. praktizierte Homosexualität als Sünde, starke gleichgeschlechtliche Anziehung als negativ und die gleichgeschlechtliche Ehe wird dann auch mal als „Teufelsmanöver“ bezeichnet.

Aber auch in der Alltagssprache findet sich Homophobie wieder. So wird das Wort „schwul“, bzw. „Schwuchtel“ oft als Schimpfwort verwendet. Diverse Beispiele belegen homophobes Verhalten in der Gesellschaft und somit ist es nicht verwunderlich, dieses dann auch im Fußballsport wiederzufinden. Schwulen- aber auch lesbenfeindliche Äußerungen, gegen gegnerische Fans oder Spieler_innen und auch gegen die Schiedsrichter_innen, gehören leider zur Tagesordnung in den Stadien. Bis in die 1990er Jahre galt Homosexualität bei Fußballspielern auch unter Verbandsfunktionären als nicht existent oder nicht erwünscht. Infolge des gesellschaftlichen Wandels positionierten sich die meisten Fußballverbände offiziell als homosexuellenfreundlich und ermutigen die Spieler zum Outing. Zwar kann ein gesellschaftlicher Prozess festgestellt werden, der es homosexuellen Menschen mehr und mehr erlaubt ihre sexuelle Orientierung nicht verbergen zu müssen, sondern offen leben zu können, Teile der Gesellschaft bleiben von dieser Entwicklung jedoch offenbar unberührt: Homophobie ist auch in Mitteleuropa immer noch ein großes Problem. Im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Bereichen, wie Politik und Kultur, ist der offene, entspannte Umgang mit sexueller Identität im Breiten- wie im Leistungssport scheinbar schwierig. Ein Beispiel hierfür ist der Fußball, insbesondere da, wo er von Männern ausgeübt wird. Sowohl die Fankurve als auch Mannschafts-, Vereins- oder Verbandsgefüge stellen weiterhin ein Reservat obsoleter Männlichkeitsvorstellungen dar.

Mit Männern assoziierte Stereotype wie Härte, Kampfgeist oder Durchsetzungsvermögen, die für den Fußballer als unabdingbar gelten, werden exklusiv dem heterosexuellen Spieler zugeschrieben. Schwulsein dient hierbei als Synonym für Schwäche. Das Resultat zeigt sich auf den Rängen, wo kollektiver Rausch und die Anonymität der Masse den Raum schaffen für Diskriminierung in unverhohlener und lautstarker Form. Daraus resultiert, dass oft Sportlerinnen und Sportler ihre homosexuelle Identität verbergen (müssen). In den Vereinen hingegen prägt meist Tabuisierung das Bild, wenn auch hier nach wie vor mit Regelmäßigkeit homophobe Entgleisungen von Akteuren aller Ebenen zu vernehmen sind. Die homophobe Normalität in vielen Kurven verhindert seit Jahren, dass diese Menschen ihre Sexualität frei ausleben können. Zudem schafft homophobes Verhalten zusätzlichen Raum für Ausgrenzung und Diskriminierung. Diesem Zustand entgegenwirken möchte die Aktion „Fußballfans gegen Homophobie“. Auch bei Sankt Pauli versuchen wir sexistischen, homophoben und anderen diskriminierenden Äußerung direkt entgegen zu wirken. Mit Interesse verfolgten wir daher die Gründung und Entwicklung der deutschlandweiten Initiative “Fußballfans gegen Homophobie“. Die Initiative versucht auch international auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen und andere Kurven dazu zu motivieren, sich gegen Homophobie in den eigenen Reihen zu engagieren. Hierbei wollen wir möglichst viele Fans motivieren, sich ebenfalls gegen Homophobie zu engagieren. Dies ist der Grund, warum wir zu diesem Aktionstag in Kooperation mit der Kampagne „Fußballfans gegen Homophobie“ und dem Alerta-Netzwerk, einem Zusammenschluss von 13 antifaschistischen, internationalen Fangruppen, einen Aktionstag gegen Homophobie durchführen. Im Millerntor wird es dazu heute eine große Choreografie bestehend aus Papiertafeln und Luftballons geben. Diese werden im ganzen Stadion verteilt und sollen zum Einlauf der Teams hochgehalten werden! Neben der heutigen Choreo wird zu dieser Thematik am Freitag den 05.04.2013 um 19 Uhr im Fanladen auch ein Vortrag gehalten.
Wir alle sind verantwortlich, ein Klima innerhalb und außerhalb des Stadions zu fördern und gegen offene und verdeckte Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung vorzugehen.

Liebe kennt keine Liga – und kein Geschlecht! Alerta!

Ultrà Sankt Pauli